Tollerzucht: Brandstifter im eigenen Haus?

Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever Club Deutschland, hat zum zweiten mal beim VDH einen Antrag auf ein Einkreuzungsprojekt gestellt, weil angeblich die Rasse aufgrund von Autoimmunerkrankungen gesundheitlich am Ende, völlig ingezüchtet und vom Aussterben bedroht sei.

Es ist wohl in der Geschichte der Kynologie ein einmaliger Vorgang, dass der weltweit jüngste, unerfahrendste und mit gerade mal 8 registrierten Züchtern kleinste Spezialzuchtverein für Toller weltweit, im Alleingang, gegen die internationale Mehrheitsmeinung und insbesondere ohne Abstimmung mit dem Mutterland der Rasse, als eine der ersten Amtshandlungen in einer beispiellosen medialen Kampagne den Ruf der eigenen Rasse ruiniert. So wurden entsprechende Veröffentlichungen nicht nur auf der TCD Homepage und auf den Züchterhomepages veröffentlicht. sondern in einem ausführlichen Artikel auch in der Zeitschrift “Wuff”.

Das Ausmaß der internationalen Empörung ist schon deshalb so groß, weil die getroffenen Aussagen auf unvollständigen Forschungsergebnissen beruhen und gegenteilige Meinungen von Koryphaeen im Bereich der Genetik, wie Prof. Bannasch von der Unviersität Californien und Prof. Wade von der Unversität Sydney, bewusst ausgeblendet werden. So wurde beispielsweise in der Studie von Mäki, auf die man sich beruft, überhaupt nicht die Populationsdynamik einer rasch wachsenden Zahl der Individuen berücksichtigt und mathematisch zweifelhafte Modelle zur Berechnung des Verwandtschaftsgrades verwendet. Auf dieser Basis zu verbreiten, die Reinzucht von Tollern sei Qualzucht im Sinne des Tierschutzgesetzes, kann man nur noch als kafkaesk bezeichnen.

Zunächst wird behauptet, dass aufgrund einer Studie von K. Mäki die Toller enger miteinander verwandt seien als Vollgeschwister. Praktisch jede Hunderasse beruht auf wenigen Gründerhunden. Rechnet man die Verwandtschaftsbeziehung mit falschen Parametern bis zu diesen Gründungstieren zurück, kommen zwangsweise absurde Ergebnisse dabei heraus. Eine Stammbaumrückrechnung bis zu Adam und Eva macht keinen Sinn, weil da das Ergebnis sowieso feststeht, da brauche ich nicht zu rechnen.

Was m.E. Mäki falsch gemacht hat ist, dass sie die Diversifizierungsdynamik nicht berücksichtigt hat, die sich aus der weltweit stark gewachsenen Population von mittlerweile geschätzten 20.000 Individuen ergeben hat. Insofern ist eine Berechnung des Inzuchtkoeffizienten über 5 Generationen nicht das schlechteste und der liegt bei den allermeisten Verpaarungen extrem niedrig. Jährlich fallen derzeit weltweit 3.000 bis 4.000 Welpen. Entsprechend ist das Wachstum der Population. Kein Vergleich zur Inzuchtproblematik vom Deutsch Stichelhaar von dem es in der Tat nur noch ganz wenige Exemplare gibt. Generell kann man bei rund 20.000 Hunden und dem seit Jahren dynamischen Wachstum kaum von einer aussterbenden Rasse reden.

Wenn man sich die Toller nur anschaut, wie deutlich sie sich vom Phänotyp und vom Wesen noch unterscheiden (Grössenbandbreite, Gewichtsbandbreite, Proportionalisierungen, Fell- und Pigmentfarben, jagdliche Anlagen, Standruhe usw) fällt es mehr als schwer nachzuvollziehen, was da behauptet wird. Im Grunde kann man sogar sagen, dass diese recht junge Rasse noch gar nicht so homogen ist wie z.B. Golden Retriever. Fahren Sie mal im Gegensatz dazu nach Island und schauen Sie sich da die Bevölkerung an, die sehen als homogenste Bevölkerungsgruppe der Welt wirklich alle irgendwie gleich aus und sind gesünder als wir Festlandeuropäer. J

Der zweite Punkt ist die Behauptung, dass es aufgrund genetischer Forschungsergebnisse bezüglich Autoimmunerkrankungen offenkundig sei, dass der Toller “am Ende” ist. Diese kühne Behauptung als Induktionsschluss aus molekularbiologischen Teil-Forschungsergebnissen zu veröffentlichen ist aus zwei Gründen grob fahrlässig. Zum einen sind diese Forschungen längst nicht abgeschlossen und weitere Molekularbiologen z.B. aus Australien und Canada haben dazu eine ganz andere Meinung. Besonders bedenklich ist zum anderen der Verweis auf die Forschungsergebnisse einer Teilstudie von Wilbe in Schweden in der ausschließlich Blutproben von erkrankten Tieren untersucht wurden. Daraus zu folgern, alle Hunde seien krank ist sogar korrekt, weil eben nur kranke untersucht wurden. Was für eine Verdrehung von Wahrheiten!

Bei soviel geballter Theorie empfiehlt sich mal der Realitätscheck. Wo sind sie denn die kranken Hunde?

Seit Beginn der Tollerzucht in Deutschland ist nach meiner Kenntnis kein im DRC gezüchteter Toller je an SLE gestorben. Es sind hier und da ganz wenige Fälle von SRMA bei jungen Hunden aufgetreten, die alle geheilt werden konnten. Die Wurfstärken der Toller sind normal. Der Toller leidet praktisch nie an echten Hüft-, Ellbogen-, Augen- oder Allergieproblemen. Auch Augenkrankheiten sind seit der Einführung der Genmarkertest praktisch verschwunden. Epilepsie oder Training induced Collapses sind zumindest in Deutschland unbekannt, Krebs tritt extrem selten auf. Die Lebenserwartung liegt überdurchschnittlich häufig im zweistelligen Bereich. Was wollen die Leute eigentlich noch? Ich selbst habe 23 Welpen gezüchtet. Kein einziger Welpe hat irgendeine Krankheit oder eine Wesensschwäche, unsere eigenen Zuchthunde natürlich auch nicht. Soll ich mich jetzt als Qualzüchter beschimpfen lassen? Das ist doch absurd! Die internationale Tollercommunity wird auch künftig anstatt mit Auskreuzungen einen Schuss ins Blaue zu riskieren, auf den in dieser Frage bald zu erwartenden Durchbruch bei der Suche nach einem Genmarkertest setzen. “Brandstifter” wie den Vorsitzenden des TCD und seine Gefolgsleute können wir bei dieser Arbeit nicht gebrauchen, weshalb die breite Mehrheit der Tollerzüchter im DRC inständig hofft, dass der VDH diesem Treiben endlich ein Ende setzt und die Mitgliedschaft des TCD im VDH, die sowieso nur auf Probe besteht, beendet.

Zur Zucht gehört mehr als mal geschwind zum Rüden um die Ecke zu fahren, das muss der TCD offensichtlich noch lernen. Unsere Deckrüden und Hunde wurden und werden sorgfältig in Deutschland, den Niederlanden, England, Schweden und Finnland ausgewählt. Das erfordert natürlich ein völlig anderes Mass an Recherche und Einsatz, um die Hunde vor Ort zu besichtigen. Aber der Erfolg gibt uns recht.

Lassen Sie sich nicht von diesen Anfängern verunsichern. Toller sind und bleiben robuste und gesunde Hunde und sind eine Erfolgsstory. Das beweist nich zuletzt die schnell wachsende Beleibtheit rund um den Globus und die rasch wachsende Zahl der Population.

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